Erschienen:21.11.2009 / SZR / SBM_MAN / BLAN_2

Ressort:Region
Saarbrücker Zeitung
Oliver Schwambach


Ulrichs Platzverweis

In der Schule saßen früher die coolen Typen immer hinten, die Streber vorn; die, die einen nie abschreiben ließen. Dass Hubert Ulrich jetzt im Saar-Landtag vorne sitzt, ist kein Zufall. Da gehört er hin. Schließlich ist er Fraktionschef der Grünen. Was ihm aber partout nicht passt, ist, dass er Pult an Pult mit Stefan Pauluhn sitzen muss, dem SPD-Geschäftsführer im Parlament.

Pauluhn habe während der Sitzung vergangenen Mittwoch mehrfach auf sein Pult geguckt, klagt Ulrich. Dabei lese er dort „wichtige Akten“, mache sich Notizen für seine Reden, telefoniere vertraulich. Dass ihm dabei Presse- und Fernsehkameras zugucken, stört ihn nicht. Wohl aber oppositionelle Lausch- und Spickangriffe. Schließlich gehört seine Partei neuerdings zur Regierung, die Genossen aber, mit denen man einst so traut gegen die Regierung wetterte, müssen weiter die Oppositionsbank drücken. Darum hat Ulrich bei Landtagspräsident Hans Ley (CDU) beantragt, SPD und Grüne sollen auseinander rücken. Ein Gang müsse her zwischen roten und grünen Pulten. „Dann sitze ich immer noch neben Herrn Pauluhn, aber wir haben Abstand – und ich kann ungestört arbeiten“, sagt Ulrich. Der Umbau ist für den als zupackend bekannten Grünen-Boss kein Thema: ein paar Schrauben lösen, Pulte verschieben, fertig.

„Alles Quatsch“, sagt sein ungeliebter Bank-Nachbar. Okay, einmal, gesteht er, habe er rübergelinst: „Bei Ulrichs krakeliger Schrift kann man aber sowieso nichts lesen.“ Pauluhn will sich den Platzverweis von Ulrich nicht gefallen lassen. Die Grünen hätten der aktuellen Sitzordnung im Landtag selbst vor wenigen Wochen zugestimmt. Zudem sei der Umbau aufwändig: „Da sind zwei Handwerker zwei Tage beschäftigt. Man kann ja hochrechnen, was das kostet“. Pauluhn stichelt: „Auf jeden Fall kostet es mehr, als ein Monatsgehalt von Hartmut Ostermann an Hubert Ulrich.“

Der Grünen-Boss versteht an dieser Stelle keinen Spaß. Wenn ihm die Opposition in Person von Stefan Pauluhn derart dicht auf der Pelle hockt, seien seine Arbeitsmöglichkeiten stark eingeschränkt. Im Übrigen sei er nicht allein betroffen. „Reinhold Jost (SPD) guckt Claudia Willger-Lambert (Grüne) auch überall rein“, sagt Ulrich.

Lösen muss das Problem nun Landtagspräsident Hans Ley. Auf der nächsten Sitzung des erweiterten Präsidiums, wohl am kommenden Donnerstag, soll entschieden werden, ob und wie Stühle gerückt werden. Alternativ könnte man natürlich auch kleine Paravents anschaffen fürs Hohe Haus. Dann ist jeder Parlamentarier für sich – und garantiert keiner guckt mehr zu.